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Mittwoch, 16. April 2014

Bello Adamello

frei nach Herrn Watzlawick: Anleitung zum AAVIer sein  oder wie der Prototyp eines AAVI-Ausflugs aussehen sollt

Merkmal 1: ja keine gemeinsame Anreise
Eigentlich recht untypisch, wurden mal Pläne in die Tat umgesetzt (wg. hinaus aus den Mauern und so): Wetterprognose recht gut und so hat Aucki schnell mal ein paar Plätze auf der Mandrone-Hütte reserviert.
Jedoch hat er nicht die Palmlatte in seine Überlegungen einbezogen (nein, kein Rekordding -  die längste Latte hat immer noch der Hubert) und so startet er mit Bine und Andrea aus Graz einen Tag später als der Kurator und seine schönerere Hälfte, welche nicht warten konnten,  zum Tonalepass.

Willkommen am Italiensichen Inlandeis...

Merkmal 2: möglichst nie auf einem Gipfel landen
 Johanna und meine Wenigkeit landeten also schon einen Tag früher am Südpol der Ostalpen und während die Auckis gerade die Mautstelle in Vipeteno durchbrachen, durften wir schon feststellen, dass hier die Dimensionen schon eine andere Liga sind als am Daunferner (sorry lieber KR..): Höhenmeter sind sekundär, was zählt ist die Entfernung: so arten bei uns vernachlässigbare 800HM, hier gleich mal in einem mehrstündigen Hatscher aus..
...hoch an, ein Schuß und ladet schnell...
Doch irgendwann hat (zum Glück) alles sein Ende und anstelle eines Gipfelkreuzes, erwartet dort eine liebliche Kanone als Endpunkt - andere Länder, andere Sitten ;o)
Das schlechte Wetter bei uns macht sich da unten durch allerfeinsten Nordföhn bemerkbar und so wurden wir regelrecht vom Gipfel gefegt - egal, denn wir wollten ohnehin noch auf die andere Seite. Keine 400 Höhenmeter verteilen sich da auf viele Horizontalmeter, aber nach gut einer langen Stunde stehen wir endlich am Passo Venzia und dem eigentlichen Highlight der Gegend: La Pisgana - der direkten Abfahrt nach Ponte di Legno.

quasi die "Wilde Grube" Italiens: ca. 2.000 HM Abfahrt und 10km lang...
Vom Ziel auf 1.200m gehts dann mit dem Bahndl wieder hinauf auf 3.000m und ein nettes Abfahrtl wieder runter zur Mandrone-Hütte, wo wir endlich die Auckis treffen würden. 
Eigentlich, denn der Wind war mittlerweile doch recht stark geworden und der Maschinista der Funvia hat deswegen gleich mal den letzten Lift hinauf zum Joch abgedreht und sich sicherheitshalber lieber an die Bar begeben. Glücklicherweise hat  Johanna im Unterschied zu mir was Gscheits gelernt und konnte im wild gestikulierenden Italo-Kauderwelsch + ganzem Körpereinsatz (Stichwort: occhi dolci), die Ragazzi überzeugen das Ding doch nochmal einzuschalten (im Grunde doch alles Machos, die Katzlmacher *g*) und die drohende Stunde spaßbefreiten extra-Aufstieg im wilden Sturm verhindern. Und so trafen wir sie dann endlich, die Auckis.

Raketa Italiana (vulgo Rocco Granata)
Das Lüfterl hat sich über Nacht zu einem respektablen Sturm entwickelt (die föhnerprobete Sistranser Abteilung fühlte sich schon wie zu Hause) und verhieß nix Gutes. Entsprechend zaghaft ward er Aufbruch am nächsten Tag. Wohl noch etwas geschlaucht vom Vortag und im Wissen der Enfernungen, die da oben auf uns warteten, entschieden Johanna und ich uns gegen eine weitere Episode von "vom Winde verweht" und disponierten um. rauf auf den Passo die Lago und über den Corno di Bedole zum Monte Mandrone.
Scarlett o`Auckenthaler war hingegen in ihrer gewohnten Wettelage (Föhn) und so zogen die drei in Richtung Adamello los und wir würden uns später in der Pisgana wieder treffen.

Merkmal 3: niemals zum vereinbarten Treffpunkt kommen
Halbzeit...
Trotz viel Trödelei kamen Auckis nicht. Nachdems dort oben ja nicht wirklich warm war, fuhren wir schon mal ab, den spätestens in Ponte würden wir uns ja treffen. Stunde um Stunde verging, mein Gesicht hätte man nun schon als rote Stop-Tafel verwenden können, jedoch vom Rest weit und breit nichts zu sehen. Mittlerweile hatten wir das Auto schon vom Pass geholt und starrten die ganze Zeit wie verrückt durch den Habicht um Ausschau zu halten, aber niente - kein Lebenszeichen. Ab 17.00 wird man nervös und gegen sechs beginnt man sich langsam zu sorgen (fürs Protokoll: dort oben geht kein Handy..)

Im heimatlichen St. Jodok war  die bergrettungserprobte BSSSSTJ schon für den Einsatz bereit: die seit langem als  vermisst gemeldete Aufbauanleitung für das zu oft unterschätzte Dreibein tauchte wieder auf,  aber nach langem Schrauben, Hämmern und Sägen, stellte sich heraus, dass es doch die Anleitung fürs Billy-Regal war...
Nach 18.30 dann aber der erlösende Anruf: sie sind am Pass oben (!?!) rausgekommen und nicht wie ausgemacht 1.000 HM tiefer. Des Rätsels Lösung: aufgrund von Wolkeneinfall hatten sie kurzfristig umdisponiert und als Abstieg den Anstieg genommen - gefühlte 40km Distanz und am Ende ein komplett unterschätzter, aber dafür extrem grauslicher Gegenanstieg zurück in die Zivilisation hatten die vermeintlichen Sicherheitsvariante zur langwierigen Tor-Tour werden lassen.

endlich hat mal jemand den IPCC richtig verstanden: Italien bereitet sich auf den Klimawandel
vor und startet mit der Gletscher-Aufforstung
Merkmal 4: eine Tour ist erst im Gasthaus zu Ende
Diese, wahrscheinlich allerwichtigste, Regel haben wir natürlich brav befolgt, um bei Pizza und Hopfenkaltschale den Elektrolythaushalt wieder einigermaßen in Ordnung zu bringen bevors im Schneetreiben zurück übern Brenner ging.

Fazit: wer eine Reise tut....







1 Kommentar:

Führeraspirateur hat gesagt…

So ein schöner Aufsatz aber auch! Note 1.